Das kommt davon, wenn man nur flüchtig über die wichtigsten Angaben zu einem Film hinwegliest und dann in die Vorstellung geht. Mich ereilte die gerechte Strafe in Gestalt der Pressevorführung von Chen Kaiges Wettbewerbsbeitrag „Forever Enthralled“. Müde schleppt sich das Hohelied auf den berühmtesten männlichen Frauendarsteller der Peking-Oper in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dahin. Der Film hat mindestens fünf Enden, ist aber niemals zuende. Nachher wusste ich, warum. Im Programm stand klar und deutlich: 147 Minuten Laufzeit, fast zweidreiviertel Stunden! Mal abgesehen davon, dass ich für Opernmusik im allgemeinen, die schrille Peking-Oper im Speziellen und Männer, die mit misstönend nach oben verstellter Stimme Frauen verkörpern grundsätzlich kein Interesse habe, hatte der Film auch sonst nichts zu bieten außer fader Verklärung. Das mag für China okay sein, wo der Mann angeblich auch heute noch ein Volksheld ist, für den Wettbewerb eines internationalen Festivals reicht es auf keinen Fall. Als sich der Frauendarsteller dann noch in eine junge Sängerin verliebt, deren Spezialität die Darstellung von Männern ist, und diese Befähigung in einer langwierigen Szene auch vorgeführt wird, war's genug: Ich habe getan, was ich sonst nie tue – Flucht aus dem Kino. Das hatten vor mir, grob geschätzt, schon etwa zweihundert andere Kollegen getan. ...weiterlesen